Rugtales ist tief in einer echten Familiengeschichte verwurzelt. Seit 1952 ist ihre Familie eng mit der persischen Teppichkunst verbunden – ein Erbe, das Vida und Amin heute von Hamburg aus mit frischem Blick, großem Respekt vor der Tradition und einem feinen Gespür für zeitgemäßes Design weiterführen.
Jeder Rugtales-Teppich ist ein handgefertigtes Unikat, gewebt aus 100% reiner Schurwolle – oft sogar von Hand gesponnen. Viele Stücke entstehen durch Frauen aus nomadischen Gemeinschaften wie den Gashgai, Turkmenen oder Belutschen, die mit traditionellen Techniken und über Jahrhunderte weitergegebenem Wissen arbeiten. Ergänzt wird die Kollektion durch Teppiche aus kleinen Dörfern wie Assadabad oder der Region Hamadan, die mit kräftigen Farben, ausdrucksstarken Mustern und einer besonderen Tiefe begeistern und jedem Raum Wärme und Charakter verleihen.
Darüber hinaus umfasst die Kollektion seltene historische Stücke aus dem ehemaligen Persischen Reich, darunter der „Khanum“ aus dem 19. Jahrhundert, der sich durch seine satten Farben und filigranen Ornamente auszeichnet. Ob nomadisch, dörflich gefertigt oder historisch – diese Teppiche sind zeitlose Klassiker: langlebig, authentisch und wunderbar mit modernen Einrichtungsstilen kombinierbar.
Während sich Trends, Wohnstile und Konsumgewohnheiten stetig verändern, bleiben die Werte von Vida und Amin konstant: fair produzierte Teppiche, echtes Handwerk und ein nachhaltiges System, das den Knüpferinnen ermöglicht, selbst zu entscheiden, wann sie arbeiten, was sie herstellen und zu welchem Preis sie verkaufen. Jeder Rugtales-Teppich entsteht in den Häusern der Knüpferinnen und trägt nicht nur Muster und Farben, sondern auch ganz persönliche Geschichten in sich.
Im Interview sprechen wir mit Vida und Amin über ihre Vision, den Entstehungsprozess ihrer Teppiche und darüber, warum echtes Kunsthandwerk auch heute noch unverzichtbar ist – für unsere Räume und für die Menschen, die sie gestalten.
COCOLI: Rugtales gibt es seit 1952 – was hat euch dazu inspiriert, eure eigene Teppichmarke zu gründen?
Rugtales: Unser Familienunternehmen ist mittlerweile in der sechsten Generation aktiv. Unser Großvater eröffnete 1952 das erste Büro und Warenlager in Deutschland und entschied sich bewusst für die Hamburger Speicherstadt. Aus dieser Basis entwickelte sich IPEK über Jahrzehnte hinweg zu einem erfolgreichen Großhandelsunternehmen.
2019 haben wir zusätzlich unsere Direct-to-Consumer-Marke Rugtales gegründet – mit dem Wunsch, direkt mit Endkundinnen zu sprechen und insbesondere eine jüngere, digitale Zielgruppe zu erreichen. Damals gab es nur wenige Online-Brands, die handgefertigte Teppiche und Kelims in unserem Verständnis kuratiert angeboten haben. Also dachten wir: Warum nicht selbst?
Heute sind wir unglaublich dankbar für unsere Community und für die vielen Kundinnen und Kunden, die dieses Handwerk genauso wertschätzen wie wir.
„Jeder Teppich erzählt seine eigene Geschichte, trägt Symbolik in sich und hat eine ganz individuelle Ausstrahlung.“
COCOLI: Könnt ihr uns durch den typischen Herstellungsprozess eines Rugtales-Teppichs führen – vom Material bis zum fertigen Produkt?
Rugtales: Sehr gern – denn Handwerk funktioniert ganz anders als industrielle Produktion. Nehmen wir als Beispiel einen Gashgai-Kelim: Er entsteht oft in kleinen Dörfern oder nomadischen Gemeinschaften und wird häufig von Frauen gefertigt. Die Wolle wird teilweise noch von Hand gesponnen und traditionell gefärbt, oft mit Pflanzenfarben.
Gewebt wird an einem horizontalen Holzwebstuhl, der auf dem Boden liegt. Zunächst wird die Kette (die Längsfäden) gespannt, anschließend wird der Schussfaden in einem aufwendigen Prozess hindurchgewebt, sodass Muster und Struktur entstehen. Das bereits gewebte Stück wird immer wieder mit einem Kamm fest angeschlagen, wodurch das Gewebe stabil und gleichmäßig wird. An größeren Kelims arbeiten häufig zwei bis drei Weberinnen gemeinsam.
Was wir an diesem Prozess besonders lieben: Er ist nicht nur Arbeit, sondern gelebte Kultur. Es wird gesprochen, gelacht, gesungen und Tee getrunken – so wie seit Jahrhunderten. Zum Schluss wird der Kelim vom Webstuhl genommen und oft in der Sonne gelagert, damit sich Farben und Material optimal setzen. Ein wirklich besonderer, fast poetischer Ablauf.
COCOLI: Nachhaltigkeit spielt bei Rugtales eine große Rolle. Welche Aspekte eures Prozesses machen eure Teppiche langlebig und umweltfreundlich?
Rugtales: Unsere Teppiche bestehen überwiegend aus hochwertigen, natürlichen Materialien – vor allem aus Schurwolle. Uns ist es wichtig, diese Materialien möglichst schonend zu verarbeiten, zum Beispiel bei der Reinigung der Wolle, damit das natürliche Lanolin, das die Faser schützt, nicht unnötig entfernt wird. Wo immer möglich, vermeiden wir aggressive Chemikalien, da sie sowohl dem Material als auch der Umwelt schaden können.
Ein weiterer wichtiger Nachhaltigkeitsfaktor sind die traditionellen Knüpf- und Webtechniken. Diese über Jahrhunderte bewährten Methoden sind für ihre Robustheit und Langlebigkeit bekannt. Ein handgefertigter Teppich ist kein kurzlebiger Trendartikel – er ist dafür gemacht, viele Jahre, oft sogar Generationen, zu begleiten.
„Ein handgefertigter Teppich ist kein kurzlebiger Trendartikel – er ist dafür gemacht, viele Jahre, oft sogar Generationen, zu begleiten.“
COCOLI: Wie wählt ihr die Materialien aus, die ihr für eure Teppiche verwendet?
Rugtales: In vielen Fällen treffen nicht wir diese Entscheidung, sondern die Knüpferinnen und Weberinnen vor Ort. Am häufigsten wird reine Schurwolle verwendet, teilweise sogar aus eigenen Herden. Je nach Region und Technik kommen ergänzend Baumwolle oder – seltener – Seide zum Einsatz.
COCOLI: Was macht einen Rugtales-Teppich einzigartig im Vergleich zu anderen Teppichen auf dem Markt?
Rugtales: Wir bieten ausschließlich handgefertigte Teppiche aus authentischer Handwerkskunst an. Unsere Familie handelt seit sechs Generationen mit diesen Meisterstücken – man könnte fast sagen, dass in unseren Adern genauso viel Schurwolle wie Blut fließt.
Jedes Stück wird von uns handselektiert. Einige Teppiche in unserem Lager stammen noch aus dem Bestand unseres Großvaters, viele aus der Zeit unseres Vaters. Unsere Teppiche haben Charakter, Seele und Geschichte – und genau das macht sie so stark in modernen Wohnräumen. Sie bringen Individualität hinein, statt austauschbar zu wirken.
„Was wir an diesem Prozess besonders lieben: Er ist nicht nur Arbeit, sondern gelebte Kultur.“
COCOLI: Gibt es ein besonderes Teppichstück oder eine Kollektion, die euch persönlich besonders am Herzen liegt?
Rugtales: Das ist schwer zu sagen – denn es fühlt sich eher an wie ein ständiges Neuverlieben. Wenn ich reise und etwas Besonderes entdecke – eine Gasse, ein Gericht, einen Ort – gibt es manchmal diesen Moment der sofortigen Faszination. Das kann in einer von Mimosen gesäumten Altstadtgasse in der Provence passieren oder mitten zwischen den Hochhäusern von New York.
Genauso ist es bei Teppichen. Wenn ich durch unser Lager gehe und die Stapel durchblättere, gibt es immer wieder Überraschungsmomente. Ein alter Gashgai-Kelim fasziniert mich mit seinen kraftvollen, fast leuchtenden Farben. Ein feiner Tabriz-Teppich begeistert dagegen durch seine filigranen, floralen Ornamente.
Jeder Teppich erzählt seine eigene Geschichte, trägt Symbolik in sich und hat eine ganz individuelle Ausstrahlung. Vielleicht ist es gerade diese Vielfalt, die uns so begeistert – und warum es keinen einzigen Favoriten gibt. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen: Mein Lieblingsstück ist meist das, das mich im jeweiligen Moment am stärksten berührt.